23
Jul
2008

AUS STELL UNG 2

Südtirol lässt grüßen!

Einladung-Galerie-Geier

Am Freitag 25.07.08 ist es soweit. 19 Uhr, Galerie Geier Algund. Neun Bilder werden hängen, eine Hose vielleicht auch.
Und Texte wird es geben. Frei heraus und mit viel Freude.

Galerie-Geier-

Nun wollen wir doch mal schnell noch nachsehen, was vor einem Jahr in Mexiko passiert ist. Oder war es schon ein anderes Land?
Look it up and find out

Herzlichst

dAn

2
Apr
2008

AUS STELL UNG

Es ist soweit!
Die Ausstellung zum Blog im HEI in München am kommenden Freitag um 19 Uhr

Diarios-Mexicanos

Ich freue mich auf Euer Kommen!

dAn

26
Nov
2007

E.N.D.E.

Dies ist der Versuch abzuschließen.

Doch wie schließt Mann etwas ab, das er in sich trägt. Ein Summen in all den neuen Sprachen und Bildern und Brillen und Bewegungen, Gedanken, Blickwinkeln, Assoziationen, Deklamationen, Religionen und Dämonen.

Abzuschließen ist ein Zustand der Raumerfahrung. Denn durch mein Sitzen an diesen Zeilen in einem Zimmer, das ich schon seit mehr als ein paar Wochen besuche, das ich auf immer ähnlichen Wegen erreiche, durch diese Manifestation der Sesshaftigkeit bin ich nicht mehr in der Lage ein reisendes Sein aufrecht zu erhalten. Nein, auch eine knappe Stunde Fahrradfahren, die ich brauche um die alten Streifgebiete in Münchens Schwabing zu erreichen, machen aus mir keinen Reisenden mehr. Und dadurch ändert sich die Wahrnehmung. Aus einem Pfeil mit etwas rechts und links wird ein Punkt mit langsamen Wellenbewegungen in ein Außen und Innen.

Hostal-Home

Solltest du neu auf diesen Blog stoßen, so beginne ihn am Anfang. Also hinten. Denn Geschichte ist nun mal von uns abgewandt und wir leider zumeist nach vorne gewandt, in den vergeblichen Versuch die Summe deiner bisherigen Taten vorauszuplanen. Dabei ist und hat doch das Jetzt alles was wir haben.

Boooot

All jenen, die zu meiner großen Freude diesen Blog gelesen haben, ganz egal ob haargenau und lesenderweise mitreisend oder mal schnell nachschauend ob noch alles keucht und fleucht, all jenen ist dieses Abschließen gewidmet.
Denn ohne euch wäre dieser Blog nie so lange gepflegt und so ausführlich geschrieben geworden! Nur die positiven Kommentare und die Gewissheit, nicht für die unendlichen Weiten der Bits und Bytes zu schreiben, riefen mich in tiefgekühlte Internetcafés, an röchelnde und virenverseuchte Hostel Computer, an die Laptops von neuen Bekanntschaften und immer wieder in diese Internetcafés, die auch den Verlust meiner Kamera in sich tragen. Vier Stunden Skypen, Mailen, Bloggen und Surfen am zweiten Tag nach der Rückkehr aus Kuba, das war einfach zuviel für die Canon EOS 400D und sie suchte sich dann ganz still und leise einen neuen Benutzer. Fotos habe ich dadurch keine verloren, aber die Möglichkeit neue zu schießen, die war dahin. Geöffnet wurde dadurch der Blick ein wenig. Zwar sah ich weiter Motive und Rahmen, wann immer ich durch die Gegenden streifte, doch hatte ich kamerabefreit mehr Zeit zum Schauen, Sprechen, Einsaugen. Die Einzigartigkeit des Augenblicks fand verstärkte Huldigung.

Cabezas

Immer wieder wird der Zurückgekommene gefragt, sag, wo war's am Schönsten.
Das ist eine unbeantwortbare Frage. Ich bin zwar ein Kind der Ära des Buchs der Rekorde, doch mache ich bei diesem Höher-Schneller-Weiter (auch in ihrer Reisevariante: mehr Städte in weniger Zeit dafür mit mehr Sehenswürdigkeiten) nicht mit. Das mag bei der Anzahl der besuchten Orte recht unwahr klingen, doch ging ich zumeist dorthin wo es mich hinrief und habe sowohl in México D.F., Guanajuato, Palenque, Isla Mujeres, Kingston und vor allem am Lago Atitlán genau soviel Zeit verstreichen lassen, wie ich brauchte um der Anziehung Tribut zu zollen. Es gibt eine große Anzahl von Orten, an denen ich länger hätte bleiben können, für Tulum und die Blue Mountains trifft dies im besonderen Maße zu. Außerdem habe ich fast alles NICHT gesehen, selbst wenn die Stempel der jeweiligen Territorialmacht in meinem Pass schimmeln. Gerade daher war meine Reiseform (ich und der große und der kleine Rucksack) eine sehr angenehme Variante: Ich konnte zumeist dem Ruf eines Ortes folgen, ohne damit fremde Pläne zu durchkreuzen. Außerdem hatten sich mit meinen kurzzeitigen Reisegefährten, Katha, Jonty, Monica und Amy, stets äußerst angenehme Reisekonstellationen ergeben.
Aber ich drücke mich schon wieder vor der Frage. Wo war es am Schönsten? Nirgends und Überall.
Diese Antwort kauft natürlich keiner ab.
Am Schönsten.
Am Schönsten war es, in Guanajuato ankommen und noch nicht ganz im Reisemodus zu sein und schon im Bus vom Busbahnhof in die Stadt (so schnell unterwegs wie in jenem unsäglichen Film mit der Bombe im Bus nur leider auf Kopfsteinpflaster) zwei spanische Studentinnen und einen kolumbianischen Fotografen kennen zu lernen, Rucksack ablegen und sofort mit zum Feiern zu gehen. Am Schönsten war in der Barranca del Cobre neben der letzten Glut in die Unendlichkeit des glitzernden Weltalls zu schauen. Am Schönsten war es in Zacatecas auf der Dachterrasse mit Blick auf die hell erleuchtete Kathedrale zu grillen. Am Schönsten war es in Real de Catorce zu Fuß und bei großer Hitze auf La Quemada zu pilgern. Am Schönsten war es die dortigen Sonnenuntergänge zwischen Ruinen zu erleben. Am Schönsten war es in Catemaco die Sprache der ausgewanderten Italiener zu hören. Am Schönsten war es in Palenque mit den Schmuckhandwerkern, den Feuertänzern und den Tätowierern zu leben. Am Schönsten war es mit der mir liebsten Mexikanerin Pyramiden zu fotografieren. Am Schönsten war es nach dem Moloch Cancún auf Isla Mujeres an Land zu gehen. Am Schönsten war es dort Gespräche im flachen karibischen Meer zu führen. Am Schönsten war es für nur einen Tag La Habana zu durchblitzen. Am Schönsten war es in einer sirrenden Sommernacht in Kingston aufzuatmen. Am Schönsten war es am Bob Marley Museum für Georgie aus „No Woman no Cry“ eines meiner englischen Gedichte zu rezitieren. Am Schönsten war es an der Ostküste Jamaicas am Strand zu schlafen. Am Schönsten war es in Kingston downtown bei Passa Passa bis um sieben Uhr früh zu tanzen. Am Schönsten war es Katha im nächtlichen Havanna wiederzusehen. Am Schönsten war es Tulum bei Vollmond zu spüren. Am Schönsten war es den Schrei der Brüllaffen durch dich wogen zu spüren. Am Schönsten war es Tikal ruhen zu sehen. Am Schönsten war es Paddy in Guatemala City zu treffen. Am Schönsten war es mit den guatemaltekischen Bussen zu fahren. Am Schönsten war es am Lago Atitlán zu meditieren und zu wandern. Am Schönsten war es Amy in San Pedro ein drittes Mal zu verabschieden. Am Schönsten war es einen Keks nach der Meditation bei Sonnenuntergang am Seeufer zu essen. Am Schönsten war es Tee zu trinken. Am Schönsten war es auf drei Vulkane zu steigen. Am Schönsten war es in San Cristóbal um zehn Uhr nachts eine Unterkunft zu suchen und eine politisch engagierte Kräuterheilerin zu finden. Am Schönsten war es die Insel Chacahua zu finden. Am Schönsten war es mit dem Pazifik zu tanzen. Am Schönsten war es Ana wiederzusehen und Puebla ganz anders kennenzulernen. Am Schönsten war es am Tag der Unabhängigkeit auf dem Zócalo zu stehen. Am Schönsten war es am selben Tag Jess kennenzulernen und für sie am Bartresen zu dichten. Am Schönsten war es mit Mónica durch die Merced zu laufen und nach Kernen der grünen Tomate zu fragen. Am Schönsten war es auf dem Flughafen Katha zu sehen und zu wissen, wir reisen noch einmal. Und damit habe ich vielleicht das eine gesagt, das als Zusammenfassung in ein Wort passt:
Am Schönsten war es zu reisen.

Die Kunst des Alltags in Blau gepunktet

Aber auch schön war es im Flugzeug die Neon zu lesen und zu merken, in Deutschlands Sprachkunst tut sich was Gutes. Und anzukommen und von Youssef abgeholt zu werden, durch die Stadt zu cruisen und sich wie ein Reisender zu fühlen, der nicht glauben kann, dass dieses graue Gebäude in der Ludwigstraße in den letzten Jahren so oft Ziel des aus-dem-Haus-gehens war. Etwas besonders war es, wieder in Südtirol bei MaM und Papi am Stubentisch zu sitzen und im Garten vor etwas Erde und Blütenblättern von Volti noch einmal Abschied zu nehmen.

tropfen

Abschied nehme ich nun auch von euch, allerdings mit einem kleinen Trost: Das Reise-ich wird im kommenden Jahr in Algund bei Meran in Südtirol (in der Galerie Geier) und auch in München (im Hei am 4.4.08, genau ein Jahr nach Abflug) mit Bild und allerlei Gedicht zur Ausstellung kommen.

bambu

22
Sep
2007

Das beinahe Letzte...

Nein, dies ist kein Resümee... dazu fühle ich mich noch nicht berufen... noch nicht. noch bin ich nicht voll angekommen noch bin ich nicht europa noch fehlt ein teil nein ich kann noch nicht vor allem nicht zu später stund und es ist nicht der jetlag der mich wachhält nein und ich weiss nicht was es ist und sowieso.

Hallo allerseits!

Der Abschied in Puebla war bei hochwasserähnlichen Regengüssen (lustig was passiert wenn es zu wenig Abflüsse auf den Strassen gibt...) ein Schweres und ein Leichtes zugleich. Ich nahm einen Bus der mich am Busterminal Tapo rausliess... genau dort hatte ich DF vor einigen Monaten verlassen. Ein komisches Gefühl überkam mich. Es wurde klar, dass ich ab nun nur noch an Ort ankommen würde, die ich bereits kannte. An denen ich schon Zeit verbracht hatte. Weit mehr Zeit als die tage- bis wochenlangen Aufenthalte, die ich in den letzten fünfeinhalb Monaten lebte. Ich zog in das Hostal, das ich das letzte Mal bewohnte, doch nur für einen Tag um die Herren Jimenez und Rébora von dem Taller Ditoria ein letztes Mal zu besuchen und eine weitere Flasche Tequila vorbei zu bringen. Taller Ditoria ist eine edle kleine Druckerei, die mithilfe einer Druckmaschine aus dem 19. Jahrhundert kleine Auflagen besonderer Poesie für Kenner an das Leselicht bringen. Sie werden auch auf der diesjährigen Frankfurter Buchmesse vertreten sein.
Noch am selben Tag bin ich etwas weiter raus gezogen, zu Monica, die ich in Campeche kennengelernt habe. Silberschmiedin in Eigenregie mit Werkstatt im Haus und netter WG. Tonka, der Freund ihrer Mitbewohnerin hat mir dann am Sonntag (ein Tag vor Abflug) noch die losen Haare eingehäkelt. Doch dazwischen lag ein weiterer Umzug und zwei Feiern. Zum einen war am 15. September Unabhängigkeitstag. Der musste natürlich auf dem Zócalo, dem Hauptplatz, gefeiert werden, wo der Präsident und erstmals in der Geschichte Mexicos davor auch noch die Opposition den Schrei !viva México! von sich geben mussten. Voranging Warten unterlegt mit Klassik und Rancheros und es folgte ein Feuerwerk, das bei der grassierenden Armut peinlich perfekt und lange und atemberaubend war. Doch das Feiern ist eine der mexikanischen Lieblingstätigkeiten, die sie geradezu perfekt beherrschen. Naja, wenn man von der Feier am Abend davor absieht, die war mit hellem Licht und einem Soundsystem, das beinahe per Elektroschlag zur Tür hinaus gejagt wurde... da war wohl keine Erdung in der Halle... Irrwitzige und kaum glaubhafte Geschichten eines Mexikaners der in Europa gewesen sein will machten den Abend dennoch zu einem vollen Erfolg. (sollte er nicht dagewesen sein, dann erzählt er fünfmal besser Geschichten als ich... Neid...)
Da es vom Zócalo nach Ciudad Jardin bei Tag und mit öffentlichen Verkehrswägelchen eine Stunde dauert, entschied ich mich, die letzten zwei Tage und Nächte dort zu verbringen, wo ich die ersten zwei Wochen in Mexico verbracht hatte: im Hostal Amigo. Was für eine gute Entscheidung... Nicht nur, dass ich eine schöne Party feiern konnte... nein, im Tanz und Gespräch lernte ich gleich nach der Grito-Unabhängigkeitssache auch noch eine wundersame Gestalt kennen, die meine emotionalen und spirituellen Überlegungen und Erlebnisse aus dieser Reise gleich nochmal bestätigte und vergoldete. Auch Katha, die mit mir -gegen den Ratschlag manch vorsichtigen Mexikaners- die Unabhängigkeit feierte staunte Bauklötze, als sie mich im Hostal suchte und gleich Israelis vorfand, die sie bereits bei ihrer letzten Mexicoreise am selben Ort am letzten Reisetag vorfand... Zufälle existieren nicht, wir sind Produkte unserer Taten.
Am 17.09.07 kaufte ich mit der Hilfe von Monica meine letzten Mitbringsel ein (vor allem für mein ego und meinen Bauch: Weihrauch und Mole und Manu Chao die neue CD in der Tepito-Version) und machte mich dann mit einem riesen und zwei mittleren Rucksäcken auf den Weg zum Flughafen. Das Problem: Ich knauserte natürlich und verliess mich auf die U-Bahn. Um fünf ist die allerdings voll. Versuch mal mit drei Rucksäcken in eine proppevolle (nein, nicht wie in München, ich meine richtig voll, so mit Nase an Nase) U-Bahn zu steigen. Nachdem ich umdachte und statt dem ersten der für Männer freien Wagons (je, es gibt etwa drei bis vier ganz vorne, die für Frauen und Kinder reserviert sind, ganz so wie in der Titanic) den letzten versuchte, hatte ich Erfolg. Schweissüberströmt und abgekämpft kam ich am Flughafen an. Ja ich schwitzte derart, dass man mich fragte, ob es draussen regnete. Nachdem ich knapp am Übergewicht vorbeischrammte und Katha kurz umpackte und wir uns von ihrem Freund Nacho verabschiedeten war es soweit. Wir verliessen offiziell das mexikanische Staatsgebiet. Unkontrolliert gelangten wir an Bord um 10,5 Stunden zwischen Mister Bean im Urlaub, schlechtem Essen, Pirates of the Caribbean 3 (erstaunlicherweise weit besser als die 2), leichtem Einnicken, verlorenen Schachspielen gegen den Computer, Schlafen und was man sonst so an Bord eben macht zu verbringen. Dann war kurz Paris Charles de Gaulle angesagt und dann waren wir schwuppsdiwupps, tolle Wolken und Sonne und Grün, in Minga, wo Regen wartete. Doch Regen ist Segen und alle Koffer kamen an und Youssef stand da und holte mich an und ich war wieder da, wo ich herkam ohne hinzuwollen. Oder wollte ich? Ich weiss es nicht. Offiziell bin ich zwar schon wieder in Europa, erst in München und nun in Südtirol, doch nein, ganz hier bin ich noch nicht und darum erzähle ich von meiner Ankunft erst, wenn ich sie soweit verdaut habe, um drüber dichten zu können. Denn das kann ich grad nicht so, wie ich es die letzten 5,5 Monate konnte, und das, meine lieben Leserinnen und Leser, das beschäftigt mich gerade sosehr, dass dieser Blog um 3:38 fertiggeschrieben wird.
Bis bald, wenn ich das Resumée wag
Euer d
und A
und n

10
Sep
2007

Tuxtla, Chacahua, Puebla

Und viel zu viele Stunden im Bus...

Herzliche Grüsse aus Puebla!
Heute ist ein besonderer Tag. Ich habe gerade eben erfahren, dass unser Volti, der Haus- und Hof-, ja man muss fast sagen Dorfhund in Südtirol gestern begraben wurde. Es ist daher gerade etwas schwierig über vergangene Erlebnisse zu erzählen, wie schön sie auch waren, anstatt über die Kurzlebigkeit und den Sinn der Inkarnation auf der physischen Ebene zu philosophieren. Doch ich glaube, ich schaffe das mit der schwanzwedelnden Freudigkeit eines Hundes, der ganz den Moment der einen Streicheleinheit lebt.

Doch nun zurück wo wir herkamen, nach SCdlC, San Cristóbal de las casas, Chiapas, México. Gleich an jenem einen Tag des letzten Eintrags geriet ich ungeplant in eine höchst interessante Situation. Ich erkundigte mich bei der Tourismusinformation auf dem Zócalo, dem Hauptplatz, wo ich denn am Besten in die Natur pur komme. Man schickte mich per Minibus zu einem kleinen, unscheinbaren Naturreservat mit Baumlehrpfad, der allerdings meist aus Fragen ohne Antworten bestand. (Befühle das Blatt, warum ist es so flaumig? etc.) Ich erfand lustige Antworten und war noch nicht einmal warm geworden, da stand ich schon am höchsten Punkt des Weges und sollte wieder talwärts geschickt werden. Leider sah die alte Trapperseele hinter der kleinen Holzbarrikade einen Holzweg weitergehen. Und da ich mich gleich an Heidegger erinnert fühlte, dachte ich mir, dass auch dieser Holzweg ein Weg ist, der ins Holze führt und kein Irrweg und folgte ihm. Über mehrere Hügelkuppen und einen alten Ritualplatz sowie einen kleinen Vulkan hinweg ging es durch den verwunschenen Regenwald des Hochlandes. Das besondere an diesen Wäldern ist, dass einige Pflanzen, wie etwa Moos, in die "falsche" Richtung wachsen. Da die vorbeiziehenden Wolken sozusagen quer reinregnen, richten sich vor allem niedrig wachsende Pflanzen auf diesen Sonderregen ein und nutzen ihn. Das Betrachterauge kriegt kuriosen Wachstum präsentiert.
Am Ende des verwachsenen Pfades, der manchmal nicht mehr als ein paar alte Fussspuren war, stiess ich auf einen breiteren und benutzten Weg. Leider konnte ich das gebrochene Spanisch einer handgemalten Hinweistafel nicht verstehen und ging munter weiter. Ich kam an einen überdachten Gebets und Opferplatz der mit gescnittenem Gras ausgelegt war. Kerzen russten vor drei Holzkreuzen, die von "Tasen" (buschigen Ästen von einem Nadelbaum) und Blumenornatus beinahe vollkommen verdeckt wurden. Ich setzte mich nahe des Platzes auf einen Baumstamm und schrieb im Sonnenlicht vor mich hin als zwei Jungs daherkamen. Ich bemerkte schnell, dass meine Präsenz unerwartet war und ich argwöhnisch gemustert wurde. Nach einem längeren Gespräch stellte sich heraus, dass die beiden arbeitslosen Indios für eine Messe hier waren, eine Zelebration, die mit dem "Tempel" im Dorf nichts zu tun hat. Eine Prozession würde bald hierherkommen. Man glaubte, ich sei ein Zapatist und war in leichter Furcht. Als ich am Tag darauf dann tatsächlich zu den Zapatisten ging, erfuhr ich, dass ich den ganzen Tag auf der Grenze zwischen den autonomen Gebieten und den mexikanischen Dörfern gewandert war und dass es tatsächlich eine politisch bedingte Argwohn zwischen Dörfern der EZLN (Ejercito Zapatista de Liberación Nacional) und denen des PRI (Partido Revolucionario Institucional -lange Zeit alleinherrschende Partei Mexikos) gibt. Auf meinem Weg hinunter nach San Lorenzo Zinacatan (in der Kirche das glorreiche Schild: Es ist verboten Hühner während des Gebets zu töten) traf ich an zwei Orten Gruppen von Schamanen, die mit der Hilfe von Mezcal und rituellen Gesängen Riten an den Kreuzen vollzogen. Im Gegenteil zu der Verschlossenheit und Striktheit die ich von katholischen Prozessionen kenne, ging es hier recht locker zu. Während einige weitersangen, unterbrachen andere ihr Gebet für ein kurzes Gespräch. Ich war anscheinend der einzige Ausländer in ein paar Kilometern und musste ordentlich ausgefragt werden ;)

Das mit dem Ausfragen, das wiederholte sich tags darauf, als ich in das Zapatistendorf Oventik nahe San Cristóbal wollte. Nach dreifacher Befragung nach Herkunft und Ziel des Besuchs durch maskierte Herren und Damen der Bewegung sass ich in einer weiteren Holzhütte und sollte mich mit einem maskierten Mann und einer ebenfalls vermummten Frau, beide barfuss und müde, unterhalten. Erst wurde mir kurz über die EZLN gelehrt und dann wurde mir irgendwann das Wort erteilt. Ich durfte Fragen stellen. Da ich mich nach wie vor etwas unwohl fühlte, vor Vermummten zu sitzen, waren meine Fragen erst recht harmlos (was die Antworten nicht kürzer machte), doch als ich zum zehnten Mal hörte, dass der Kampf hart und langwierig ist, man aber langsam und sicher fortschreitet, da hatte ich genug und musste doch mal ganz frech fragen, wo denn der grosse Unterschied zwischen ihrem Dorf und dem daneben sei... Die Antwort war dann besonders lang.
Ich betrachtete, als ich für unbescholten oder unwissend abgestempelt worden war, unbeaufsichtigt das Dorf und die vielen Murales, die mich wieder an Cuba erinnerten. Propagandakunst in Farbenfröhlichkeit. Bevor ich wieder auf Wanderschaft ging, kaufte ich noch ein wenig an handgemachten Kleinigkeiten, schon allein der Unterstützung des Mutes zur Autonomie wegen.

San Cristóbal ist im Übrigen eine Stadt, die mir in besonders guter Erinnerung bleiben wird. Nicht nur, weil ich hier eine mexikanisierte Version von Lorcas "La casa de Bernarda Alba" zu sehen bekam. (Ein Stück, das ich bereits im Einführungskurs spanische Literatur und in einer Probe einer deutschen Adaptation in Südtirol geniessen durfte). Nein, auch und im Besonderen, da ich durch Esben, einem Dänen der ebenfalls in der Posada Doña Rosita untergekommen war, zu einer Lesung kam, bei der jedermann unangemeldet einsteigen konnte. Da ich mit der indigenen Autorin Xmal Méndez am Tisch sass, die einiges Höhrenwertes zum Besten gab, war das Mikrofon in Reichweite und nachdem ich meinen Frust über einen lautstarken nicht-zuhörenden Tisch mitten im Raum zu Papier gebracht hatte, las ich mein erstes Mal auf Spanisch vor Publikum. Natürlich mit nicht gerolltem R und auch sonst wohl der ein oder anderen Lücke, aber dennoch und mit Applaus und einigen späteren Zustimmungen der anderen Poeten. Leider. Leider hat das nichts daran geändert. An dem Tisch in der Mitte meine ich. Die haben das gar nicht aufgenommen und weiter gequatscht und gelärmt. Ich habe mich trotzdem vieeel besser gefühlt. Endlich mal wieder ein wenig Adrenalin. Endlich wieder Öffentlichkeitsluft. Ich freue mich auf den deutschsprachigen Raum und seine Bühnen, auf die ich sehr schnell wieder klettern will.

Von San Cristóbal bin ich dann - Abschiednehmend von einer Schönheit namens Carmen im Bar Revolución und dem Dänen - nach Tuxtla Guitierrez, der Hauptstadt Chiapas. Dort hielt ich mich allerdings nur den halben Tag auf. Ich ging in den Zoo. Ja. Ohne Witz und ohne Dame an der Seite. Ich ging einfach mal so in den Zoo, weil es hiess, dies sei der Beste überhaupt und generell. Was die Haltung der Tiere angeht, so bin ich in den meisten Fällen ganz der Meinung der Werbung der Tourismusindustrie. Der Zoo ist was Artenvielfalt und Lebensraum angeht eine Wundertat. Leider sind manche Käfige so gross, dass man die Tiere gar nie zu Gesicht bekommt. Der berühmte Jaguar hinter den Bananenblättern.. Teilweise fühlte ich mich wieder an den kleinen Prinz und die Schlange mit dem Elefanten im Bauch erinnert (ein Bild, das Saint-Exupéry anscheinend von der doppelgipfeligen Schönheit des von mir bestiegenen Vulcano San Pedro am Lago Atitlán hat).

Abends nahm ich dann einen Bus nach Oaxaca. Ebenfalls eine sehr schöne Stadt mit beinahe gleich viel Livemusik wie SCdlC und mindestens genausoguter heisser Schokoloade. Zwei Tage im Hostal Luz de la Luna, viel Regen und die Bekanntschaft mit einigen Franzosen und den kulinarischen Köstlichkeiten der Region und schon ging es -ein letztes Mal- an den Strand.

Eine böse Nachtfahrt zweiter Klasse mit dem falschen Sitzplatz später (ganz vorne, wo ab halb fünf Leute zu und ausstiegen und ich die ganze kurvige Fahrt lang kurz davor war aus dem Sitz zu fliegen), musste ich mich entscheiden ob Surfer Paradies oder Natur pur. Ich entschied mich für Zweiteres und gelangte mit Colectivos, Bus, Boot und Pickup nach Chacahua. Eine Insel und Lagune mit cabañas am Strand. Worte sind leider etwas kurz gegriffen, ich hoffe noch ein paar Fotos nachreichen zu können, die ein Römer, der kein Wort Spanisch oder Englisch, nein nicht einmal Italienisch sondern nur Romano spricht, gemacht hat. Eine äusserst amüsante Bekanntschaft an diesem ausgestorbenen Ort. Ich schwamm ausgelassen in den Riesenwellen und musste einige Male um den Landgang kämpfen. Doch diese Riesenmacht, dieses Schaukelpferd in wässrig, dieses ewige Rollen und Rauschen hat es mir angetan. Nach vier Tagen im Freiflug zwischen Hängematte, Wellen und frischestem Fisch hiess es Abschied nehmen. Bei Regen.

Ich hatte schliesslich meiner mexikanischen Bekanntschaft Ana versprochen noch in Puebla vorbeizuschauen bevor ich nach DF zurückkehre, meiner letzten Station, das dritte Mal auf dieser Reise. Hier sitze ich nun bereits einen Tag länger als geplant und werde von Ana und ihrer Mutter fremdengeführt (nein Jungs, keine Leisereiterin wie ihr sie euch ausmalt;) Ana und ihren Bruder, der übrigends hervorragend Bass spielt, kenne ich aus der Tour nach Bonampak und Yaxchilan. Zwischen Lachen, Essen und dem steten Spiel zwischen Sonnenschein und Wolkenbruch vergeht die Zeit in Puebla. Morgen werde ich wohl weiterziehen.
Und ob ich die nächsten Zeilen "hier" schreibe oder schon wieder "dort", das weiss ich noch nicht.

Nur das Beste!
Ich schicke sol poblano und viele Nationalfarben, denn hier in Mexiko ist der September Nationalmonat und am 15. wird es richtig heftig....

euer dAn in mexikaaan

27
Aug
2007

Me(e/h)r Atitlán, Huehuetenango und San Cristóbal

Buenaaaaaaaaaaaaaaaaasssss!

Und zwar mit allerbesten Grüssen aus San Cristóbal de las casas!
Ich habe mit Schmerzen die Grenze zu Mexico überschritten... zwar ist es mir nach wie vor das heimatlichste der bereisten Länder, doch Guatemala... Guatemala hat es in sich... Landschaftlich, freundschaftlich, die Freundlichkeit der chapulines und natürlich und vor allem durch die persönlichen Färbungen meiner Erlebnisse.
Doch lasset uns weitermachen wo wir zuletzt in den Schwanz der Erzählung bissen:

Ich blieb dann doch etwas länger in Las Pirámides. Um genau zu sein eine Woche insgesamt. In der Zwischenzeit hatte ich von einem israelischen Mitmeditierer eine schwedische Massage für Umsonst bekommen. Nein, nicht als sexuelle Advance, sondern und bloss weil er gerade am Lernen ist, sorry dudes, no story. Ausserdem gab es mehrere wundersam unterhaltsame Nachmittagsspaziergänge mit Amy (auch hier keine rosaroten Geschichten, sosorry) und immer wieder selbstgekochte Vegetareien. Wie viel Schoko- Bananen- Kokos- und Schokobananenbrot ich den örtlichen Gassenverkäuferinnen in der selben Zeit abgekauft habe, das will ich gar nicht wissen. Auch wie viel heisse Schokoladen ich bei den Schachspielen gegen den australianischen Lehrer und den alten Mann vom Café in mich gegossen habe, auch das will ich nicht aufgelistet wissen. Sagen wir, ich hatte eine süsse Phase, die mit dem Regen, den der böse Dean brachte, zusammenfiel. Was gibt es schöneres als eine heisse Schokolade, ein gutes Schachspiel und Regen, der auf den malerischen See und das umliegende Grün fällt?

Nachdem ich von allen und vor allem von Amy Abschied genommen hatte, schipperte ich nach Santiago am anderen Ufer des Sees. Doch dort war es betonern und teuer, also entschied ich mich schon nach einem Tag, es doch zu wagen und das Moloch aufzusuchen: San Pedro. Bisher hatte ich nur schlechte Drogengeschichten von dem Ort gehört, und der Name des Hostels war dann auch angebrachterweise "Trippy's". Doch gegen allen Erwartungen war es äusserst angenehm in San Pedro. Ich habe viel am Seerand meditiert, den gleichnamigen Vulkan mit etwas über 3000 Metern bestiegen und zwar allein und im frühmorgendlichen verwunschenen Nebel. Eine besonders schöne Erfahrung. Und das besonders schön ging weiter, weil ich am selben Abend wieder vor Amy stand, und noch einmal unerwarteterweise für abendlich und dann morgendliche Stunden mich mit einer neu gewonnenen Freundin austauschen konnte, bevor Endgültigkeit die Zeitlinie zog. Als der Tag etwas älter war, ging es mit einer Gruppe Amis aus dem Hostel, angeführt vom Besitzer des Ladens nach einem anderen, kleinen aber spektakulären Gipfel: Cabeza del Indio. Auf der Nase hat man einen wunderbaren Rundumblick über den Grossteil des Sees und einige dunkelgrüne Berge.

Morgengehup und Auspufflärm
auf Höhensonne angerichtet.
San Pedro erwacht und ich gehe
mit dem Hut auf dreadig Kopf
und Gepäck in Druck und Gewicht.
Ich gehe und doch warte ich
auf ehemalige Schulbusse
und ihre Reise
durch
die hohen Berge.
Reisefieber
und noch etwas
Keks im Kopf.

dAn 1015250807 San Pedro Parque central


Als ich mich schliesslich eines morgens aufmachte, um Atitlán zu verlassen, da konnte ich mich nur kopfschüttelnd und weiter auf die morgendliche Schönheit des Sees starrend wundern. Hatte ich doch über zwei Wochen an einem Ort verbracht, für den ich etwa vier Tage eingeplant hatte... Ich glaube, dass kein einziger der Tage umsonst war. Neue Energien und eine wunderbar dankbare Ruhe ist neben inneren Bildern alles, was ich mitnehme.
Nächste Station, einige Busfahrten weiter, war Huehuetenango. Nein, ich bin nicht nur des Namens wegen hingefahren. Es lag auf dem Weg. Vielleicht hätte ich eher Xela sehen sollen, doch ich stoppte in einem Ort, an dem um acht die Bürgersteige hochgeklappt wurden und in der eher brachial einfachen Posada Paradiso (oh ja, der Name) um zehn die Tür verschlossen wurde. Am Morgen konnte ich mich dafür über einige arg künstlich wiederhergestellte Ruinen freuen und über einen religiösen Umzug. Ich glaube fast es waren die Zeugen Jehovas, oder doch die Baptisten? Oder wiedergeborene Christen? Ich muss sagen, ich bin zunehmend verwirrt über massenhaft Kirchen mit Lautsprechern und aggressiver Missionierung. Ich kann sie vor allem und sowieso nicht auseinanderhalten...

Meine Fahrt zur Grenze dauerte ein paar gute Stunden. Dann spazierte ich in Mesilla über die Grenze. Eine irrwitzig kurze und überbezahlte Taxifahrt brachte mich vier Kilometer von der guatemaltekischen Immigration zur mexikanischen. Zwei Stempel mehr im braunroten Büchlein und ich wartete immer noch auf eine ordentliche Durchsuchung. Nichts dergleichen! Somit musste ich die drei Stunden bis zur Abfahrt meines Busses nach San Cristóbal im Park des Grenzortes Cauthemoc mit etwas aberwitzigen kleinen Jungs verbringen, die einfach alles wissen wollten (also doch fast wie bei den Zöllnern) und lieber eine Frage zweimal stellten als nichts zu sagen ;) Ein Wolkenbruch beschloss unseren Abschied. Ich wurde somit zu arroz, frijoles, huevos a la mexicana und etwas Salat im Restaurant des Busterminals getrieben und die Jungs in ihrer Mütter Küchen.
Ich bin zur Zeit ein typischer Beilagenesser, so ohne Fleisch und so (ja, da war eine Zeit lang einfach zu viel davon im Spiel) und dafür ernte ich immer wieder fragend-besorgte Blicke der Bedienungen, ein grosser Spass.

Im Verlorensein
eine Heimat finden
deren Hüttenwände
deine Haut sind.
Einatmen und freudenträndend
die Liebe zum Leben
mit deinem einzigen Instrument
in die Sturmesböen singen.
Stumm werden.
Leer werden.
Eins werden.
Und dabei All gewinnen.

dAn nachmittags 270807 San Cristóbal Cerro Guadalupe


Um zehn Uhr nachts kam ich in San Cristóbal an und entschied mich zu einer Herbergssuche per pedes. Ich hatte leider Glück und kann daher keine Abenteuer berichten: das von mir auserwählte Hospedaje Doña Rosita hatte Platz für mich und ich stand sogleich vor der Doña, einer alternden Revoluzzerin und Kräuterweibchen mit eindeutigen Standpunkten, die sie in einem beinahe ununterbrechbaren Redefluss zum Ausdruck bringen kann, sobald sie wittert, dass du einige Gedanken und Meinungen teilst.
Heute habe ich die Stadt unsicher gemacht, zwei Aussichtspunkte und ein Museum später sitze ich hier und versuche Gedichte zu verschicken und Audios zu sortieren. Bald wird es Zeit für eine weitere Leckerei und eine gute Mütze Schlaf. Morgen um 7:30 wartet Frühstück und dann möchte ich in die Berge, Natur riechen und Indios bei der Arbeit grüssen.

Bis dahin grüsse ich
den werten Leser und die In

euer dAnielito

14
Aug
2007

Guatemala - Antigua - Lago Atitlán

Einen wunderschönen guten Tag!

Ich komme gerade aus einer Sitzung über das Leben nach dem Tod, davor war Yoga, und bevor ich um fünf in den Meditationskurs gehe, werde ich mich wohl noch etwas im See reflektieren.
Nein, keine Angst, die Höhenluft hat mir nicht geschadet. Ich bin gerade für ein paar Tage (es wird wohl bei drei bleiben) im Meditationszentrum Las Pirámides in San Marcos am See. Die vergangenen Tage und Wochen scheinen zwar unglaublich weit weg, da hier alles darauf ausgerichtet ist, sich jetzt und hier auf jeden einzelnen Atemzug zu konzentrieren, doch einen Versuch ist es wert:

Guatemala city

Und immer wieder erfüllte Stereotypen.
Vor mir steht sie,
buntgewandet mit einem Bündel auf dem Rücken,
klein, doch stark gebaut.
Hinter ihr dröhnt das einundzwanzigste Jahrhundert
in babylonischer Technik, Farbengrellheit
und immer wieder Amerienglish.
Sie denkt mich wohl auch dorthin
und keine Mine regt sich.
Über glanzlos Augen ziehen Armeen dahin
und blutig laufen Jahrhunderte ins Nichts.
Bald schon kommt die Zeitenwende
doch noch kein Licht das Hoffnung bringt.
Aschevogel Liedlein singt
das nur in Verzweiflung klingt.
Er rauschen die Bäume der Zeiten
und Kalender ringen im die wahre Zählung.
Ein neuer Mond bringt bitter Korn und saure Milch.
Kannst du die Kathedrale Dornen schlagen hören?
Kannst du den letzten Hund schon heulen hören?
Sie regt sich nicht.
Und Vision zerbricht.

dAn1610060807 Parque central Guatemala city


Nach einer weit angenehmeren Nachtfahrt als vorhergesehen, kam ich an einem hektischen Morgen in Guatemala an. Hauptstadt. Anruf bei Paddy, meinem Kumpel seit Ministrantenzeiten. Drei Tage verbrachte ich bei ihm. Unter Tags arbeitete er und ich lernte diese Stadt per pedes kennen. Abends tranken wir ein wenig Gallo und unterhielten uns über Land wie Leute und die Zeit die vergeht. Hügelig gehen hier in Guatemala city die Zonen ineinander und als ich in der Zona 10 zwei Museen besuchen wollte, war ich über die Veränderung sehr erstaunt. Hochhäuser und Autos des letzten Schreis, während das Bild Guatemalas doch Schulbusse und hochbepackte Indios vorgesehen hat, so wie ich sie auch im Zentrum (Zona 1) schon bewundern konnte. Wieder stellt sich, gleich wie in Mexico die eine kleine Weisheit ein:
Zusammenleben der Extreme.
In Guatemala ist gerade Wahlkampf. Anscheinend bereits ein volles Jahr. Recht lustig, mit viel zu vielen Plakaten und Werbungen, Propagandaaufmärschen und gar eigenen Liedern für jede Partei. Die Ausgaben sind ein Hohn im Vergleich zu den Lebensbedingungen vieler Wähler, doch dies ist wohl auch ganz typisch für Lateinamerika.

Antigua
Von der Hauptstadt nahm ich einen der typischen Busse (ausgemusterte Amischulbusse die auf Englisch chickenbusses genannt werden und mir die Frage einbrachten: Did you actually see chicken on the chickenbus?) nach Antigua. In der "Black Cat" wartete bereits Amy auf mich, eine Freundin aus California, die ich auf Isla Mujeres kennengelernt habe. Sie arbeitete noch zwei Tage im Hostel während ich die pfastersteinerne Stadt voller Kirchenruinen der vergangenen Erdbeben besichtigte und auf einen Vulkan namens Pacaya stieg.

Und sie spricht
und raucht
und glüht
Unantastbare Hoheit
aus der Tiefe
aus der Mitte
Einzig Gebend
und Nehmend
Mutter

dAn1812090807 Pacaya

Das Schöne daran war, dass ich am Abend davor mit Amy und Jessy auf einer Dachterasse einen Cocktail schlürfte, während in der nicht allzuweiten Ferne der Vulcán del Fuego seinem Namen alle Ehre machte. Es war dies anscheinend einer der heftigsten Eruptionen in den letzten 15 Jahren und während wir das Schauspiel genossen, mussten ganze Ortschaften evakuiert werden, aber dennoch... am nächsten Tag, einen halben Meter neben Lava zu stehen und die Hitze kaum auszuhalten, das war eine absolut bezaubernde Erfahrung.


Atitlán

Morgenlicht
und ein Gedicht
bricht aus Höhlen vor
wie ein Tor
in freudig kindisch Glor
ohne ie und -mine
Dunstig kratzt der Tag
an dem Traum den die Nacht lag
und hell und grell und äugig
bleibt er doch säumig
denn die Sonne bricht nicht
und wolkbedeckt ist Morgendicht.

dAn morgens110807 Hospedaje Mi Chosita Panajachel


Von Antigua aus sind wir mit mehreren Bussen nach Panajachel am Lago Atitlán gefahren. Haben dort in einer superbilligen Unterkunft für 25 Quetzales (1:9 ist der Kurs) Rast gesucht um bei Tag am See zu wandern. Nach einem Ausflug zum Markt in Chichicastenango fuhren wir per Boot nach Santa Cruz. Dort blieben wir eine Nacht in einem Hostel, wo wir in einer einfachen Hütte mit freier Dschungelluftzufuhr nächtigten. Es ist hier gerade sehr feucht und regnerisch und so plätscherte es die ganze Nacht und am Morgen fand ich eine gemütlich schnurrende Katze auf meinem Bett. Sie muss wohl auch das Trockene gesucht haben.. Wir zogen weiter. Zu Fuss. Vier Stunden bis San Marcos. Ich mit guten dreissig Kilo Gepäck. Dies war meine Lehrstunde. Nie wieder. Nie wieder nehme ich soviel mit... oder sage ich dies jedes Mal?
Egal. Hier sind wir nun, meditierenderweise. Morgen oder übermorgen ziehe ich weiter und wohin genau, das weiss der Wind.

Über salzige See der Verzweiflung
stieg heute nicht der Dunst allein
Nein, mit kalter Klarheit brach sich
im steifkalten Morgenlicht in Bleigrau
ein Strahl der honiggelben Hoffnung
und kitzelte die Nase jenes Kindes
das die See mit einer Hand
in die Wüste schicken wollt'.
Eilfertig zogen die Wolken nach Nirgendwo
und hinterliessen wie neugeboren einen Himmel
der seine Blauheit strahlend und triumphierend
auf die See spiegelte.
Das Kind sah und unterbrach seine Anstrengung
um zu planschen.
Nun, da die See der Verzweiflung in Blau lag,
war es nicht mehr nötig zu verschütten.
Nun galt es Papierboote zu bauen
und in den Horizont zu fahren.

dAn0850140807 Las Pirámides San Marcos Atitlán


Macht es gut,
bis bald!

5
Aug
2007

Tulum, Lamanai und Tikal

Nicht in Ländern, nein, in Mayastätten tituliert dieser Blogeintrag.
Denn nicht México, Belize und Guatemala machten den Unterschied, nein, es waren die Eindruck hinterlassenden Ruinen von Tulum -auf den Klippen über der Karibik und neben einem der schönsten Strände die ich je gesehen- Lamanai -nach einer eineinhalbstündigen Dschungelbootsfahrt mitten im Wald gelegen- und Tikal -ebenfalls im Regenwald gelegen und von einem unglaublichen Ausmass, sechs Stunden wandern und kleine hohe Stufen steigen waren im Nu vorbei-. Ausserdem war ich noch auf der kleinen Ausgrabungsstätte Cahal Pech, die durch ihre geringe Besucherzahl einen ganz eigenen Charme hat. Und somit kann man sagen, dass, zurück von den Inseln, die Hochkulturen wieder meine Aufmerksamkeit erweckt haben. Die Reste der Bauten und die Reste des Wissens der Maya, die es über die Zerstörungswut der Kolonisation und Missionierung hinweg in unsere Zeit geschafft haben, sie lassen eine weit höher entwickelte Kultur als die unsere vermuten. Sind wir am Ende gar nichts anderes als verzogen? Von dem Wissen über die Natur befreit über verbrannte und betonierte Erde stolpernd? Wer weiss...

Über grünem Blättermeer

Über grünem Blättermeer
wiegt sich ein Zauberheer
und biegen Horizonte sich
Denn aus dem Grün schaut ein Stich
aus Weiss und Grau in Spitzesform.
Nein, dies ist nicht üblich Norm,
dies ist geheiligt Stätte
in grüntonvielfarb Bette.
Und es zieht die Zeitenleere
über Grün und Weiss und Blau
während riesen Wolkenheere
Mutters Kraft in grosser Schau
über Himmels Bogen stellen.
Ein Urteil hat sich selbst gefällt
und es heult der Affe von dem Ast
und kämpft und wirft mit Geistballast
in Form von tiefhochweiten Tönen
und noch ungeplanten Söhnen
die bereits sinnentweiht von den Tempeln spucken.
Doch nein, kein Räuspern und kein Mucken
Schweig und hör gut hin
klein nur ist der einzeln Sinn.
Es schreit der Wind den Klageweh
der baumbedeckten erdversteckten Reiche
und es knirscht die vergrabne Weisheit
unter den Plastikfüssen der ignoranten Heutzeit.

dAn040807 Tempel V mit Blick über Tikal


Doch nun zu den Ländern. Mexico hatten wir ja schon einige Male, doch mir fällt immer wieder auf ein Neues auf, dass ich die Halbinsel Yucatan durch ihre grosse Touristenanzahl aus dem Nahen Norden weniger mag, als die übrigen Teile des Landes die ich bisher bereist habe. Ich bin schon sehr gespannt auf Oaxaca und San Cristobal. Diese Städte sollten mein Bild wohl nochmal ändern...

Doch nun zu anderen Ländern. Let us talk about the Unbelizeable! Ein kleines Landstück, einst eins mit Guatemala, wurde durch Geschichtes Wirren zu einem britischen Kolonialgut und somit Creol-Englisch. An den Grenzen mischt sich allerdings einiges an Spanisch rein und somit kann man hier den meltingpot in seiner Farbenpracht erleben.
Corozal ist ein nettes kleines Städtchen knapp nach der Grenze mit alten Holzbauten und korallenblauem Meer. Orange Walk liegt weiter im Inneren und ist wohl die Bauernhauptstadt des Landes. Von hier aus fuhr ich per Boot nach Lamanai. Dann wollte ich nach Dangriga (nein, nicht nur wegen dem Namen im Namen), doch leider blieb ich in Belize City stecken. Doch auch dies war gut. Wiedereinmal zeigte eine Hauptstadt, dass sie lange nicht so schlecht wie ihr Ruf ist. (Oder aber ich hatte ähnlich wie in Kingston einen kleinen Rasta-bonus, nuh man cyan tellme). San Ignacio, nahe der Grenze zu Guatemala ist ein Partystädtchen mit dem typischen Brummen einer Grenzstadt.
Belize habe ich in einigen wenigen Tagen durchreist. Ich hätte gerne ein wenig mehr gesehen, doch Zeitplan (ja, seit ich mich auf Isla für Cuba und Jamaica rüstete habe ich sowas... sehr komisch, nach drei Monaten ins Land fahren, ohne Zeitgefühl und Plan) und Preise veranlassten mich dazu, schnell nach Guatemala zu kommen. Hier sitze ich nun, nach einem grandiosen Tag in Tikal und verbringe den heutigen, der mit einem Frühstück mit Blick über den regnerischen Lago de Petén Tikál begann, in einem Internetcafé in Santa Elena. Um 10:30pm geht mein Bus nach Guatemala City und Zeit ist noch massig verfügbar.

Im Herzen der Finsternis ist Licht
So malte ich einst die
blutige Morgenröte
in eine Blattesader.
Weiss trat eine Träne
in ihr Angesicht
und schillernd und glänzend und atemlos
im Sonnenschein.
Worte hallen nutzbefreit
und die Töne klingen weit
in die Tiefen rein
hinein.
Im Herzen der Finsternis ist Licht
und in ihm sich Regen bricht
zu Bögen wird
lichterfroh und farbenloh.
Halt zurück deine Augen
sonst erblinden sie noch
im Angesicht
des Gedichts
das Natur uns spricht:
Im Herzen der Finsternis ist Licht.

dAn abends030807San Ignacio Belize


P.S. Leider gibt es nun kameralos keine Bilder mehr. Ich hoffe die Zeilen geben dennoch etwas her.
dAn

Gerade eben in Mexiko

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